Begabung und Lernverhalten

Was sind "Minderleister"?

Begabung ist nicht gleichbedeutend mit Leistung (Was ist Begabung?). Tatsächlich ist es gar nicht so selten, dass junge Menschen trotz nachgewiesener Begabung nur durchschnittliche oder gar unterdurchschnittliche Leistungen in der Schule erbringen. Fachleute nennen sie Minderleister – oder englisch Underachiever – andere sprechen von "intelligenten Schulversagern".
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Schätzungen über den Anteil solcher "Minderleister" unter begabten und hochbegabten jungen Menschen schwanken stark, allerdings sind generell Jungen wohl eher davon betroffen als Mädchen. Einigkeit besteht zudem darin, dass das Thema selbst sehr ernst zu nehmen ist – nicht nur, weil die betroffenen Kinder und Jugendlichen ihr eigenes Potenzial nicht angemessen ausschöpfen (können), sondern mehr noch, weil sie sehr oft darunter leiden, der Schule und sogar sich selbst gegenüber negativ eingestellt sind.

Die Ursachen für Minderleistung sind wiederum vielfältig:
  • Unterforderung im Unterricht gehört sicher dazu (mehr darüber unter Begabung braucht frühe Förderung). Kinder, die den aktuellen Unterrichtsstoff bereits kennen, "schalten ab" und laufen damit Gefahr, auch weiterhin nicht aufzupassen und den Anschluss zu verlieren.
  • Junge Menschen, denen dank ihrer Begabung bislang in ihrer bisherigen Schullaufbahn alles "zugeflogen" ist, haben niemals richtig gelernt zu lernen. Sie stehen der ersten Herausforderung hilflos gegenüber, die tatsächliches Lernen erfordert.
  • Kreative Kinder und Jugendliche stoßen mit ihrer Art zu lernen bzw. Probleme zu lösen bei Eltern, Lehrerinnen und Lehrern sowie auch bei Mitschülerinnen und Mitschülern oft auf Unverständnis, das bis zur Ablehnung gehen kann. Die Forderung nach Anpassung kann nicht nur zur Folge haben, dass die eigentlichen Begabungen nicht erkannt und nicht gefördert werden, sondern auch dass sich die oder der Betreffende in sich zurückzieht und Leistung verweigert. Ein berühmtes Gegenbeispiel dazu ist Albert Einstein (1879-1955), der zwar große menschliche Probleme mit einigen Lehrkräften hatte, der gleichwohl aber stets ein glänzender Schüler war.
  • Junge Menschen scheitern in der Schule auch, weil (beispielsweise von Seiten der Eltern) entweder zu hohe Anforderungen an sie gestellt oder weil ihre besonderen Fähigkeiten und Interessen nicht erkannt werden.
  • Hoher Anpassungsdruck an die (geringeren) Leistungen von Mitschülerinnen und Mitschülern nach Anfeindungen, die bis zu Mobbing und Ausgrenzung gehen können, bringen begabte Kinder immer wieder dazu, ihre Fähigkeiten zu verbergen.
  • Auch wenn Minderleistung häufiger bei Jungen beobachtet wird, kann es bei Mädchen ebenfalls dazu kommen, wenn sie sich Erwartungen beugen, die mit ihrem Geschlecht zusammenhängen.
  • Sprachprobleme können begabte Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien zu Minderleistern machen, wenn sie dem Unterricht in deutscher Sprache (noch) nicht folgen können.
Daneben gibt es (hoch)begabte junge Menschen, die in ganz bestimmten Bereichen, z.B. Lesen/Rechtschreibung oder Rechnen, so große Defizite haben, dass die Gesamtleistung darunter leidet. Man spricht hier von "Teilleistungsschwäche".

Für Elternhaus und Schule ist es eine große Herausforderung, diese Minderleister anzunehmen und zu fördern. Als vielversprechender Weg gilt, die beobachtbaren Stärken zu fördern, um so das Gesamtverhalten positiv zu beeinflussen.

Weiterführende Informationen zu diesem Thema finden Sie z.B. bei Kurt A. Heller & Albert Ziegler; Hella Schick.
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