Intelligenz im Test

Welche Testverfahren gibt es?

Begabung wird oft mit dem Begriff Intelligenz gleichgesetzt. So wird es kaum erstaunen, dass es auch dafür keine allgemein gültige oder allgemein anerkannte Definition gibt. Fest steht lediglich, dass Intelligenz nicht unmittelbar messbar ist, wie beispielsweise die Körpergröße oder das Gewicht.
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Intelligenz ist ein von der Forschung geprägter Begriff, um schlussfolgerndes Denken, Denkfähigkeiten im weitesten Sinn zu beschreiben, insbesondere die Fähigkeit, Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten und zu speichern. Andere sprechen schlagwortartig von der Fähigkeit zu denken, zu lernen und Probleme zu lösen. Solche Fähigkeiten sind nicht mit Stoppuhr oder Maßband zu bestimmen, sondern nur mittelbar – durch Lösen von bestimmten Aufgaben unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade beispielsweise. Eine solche Messung ist vor dem Hintergrund von Bedeutung, dass es wichtig ist, Begabung – also auch intellektuelle Begabung – möglichst früh zu erkennen und zu fördern. Und als Möglichkeit einer solchen Messung dienen seit etwa 100 Jahren Intelligenztests.

"Normalverteilung" in der Bevölkerung

Diese Tests gehen davon aus, dass Intelligenz in der Bevölkerung vergleichbar verteilt ist wie andere Merkmale. Man spricht von einer „Normalverteilung“, die als Mittelwert die Zahl 100 hat. Relativ eng darum gruppieren sich nach oben und unten mehr als zwei Drittel der Bevölkerung, zwischen den Kennzahlen 85 und 115. Sogar rund 95 Prozent liegen zwischen 70 und 130, während nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung darunter bzw. darüber liegt. Diese Zahlenwerte werden auch als „Intelligenzquotienten“ bezeichnet, kurz IQ. Das heißt, vereinfacht gesagt, dass nur 2,2 Prozent der Bevölkerung einen IQ von über 130 aufweisen – dies wird allgemein als Grenzwert für eine intellektuelle Hochbegabung angesehen.

Das heißt aber auch, dass demnach von 100 Schülerinnen und Schülern etwa zwei als "hochbegabt" gelten. In einer Schule mit z.B. 800 Kindern und Jugendlichen wäre dies mehr als eine halbe Klasse.

Den einzig verbindlichen Test gibt es nicht

Entscheidend beim Thema "Intelligenztest" und deshalb unbedingt zu beachten ist eines. Es gibt nicht den einen und einzig verbindlichen Intelligenztest, der alle intellektuellen Fähigkeiten misst, sondern meist recht unterschiedliche. Dementsprechend können diese Tests immer nur verschiedene Bereiche abdecken. Was zur Folge haben kann, dass die gleiche Person in unterschiedlichen Tests unterschiedliche Ergebnisse erzielt. Deshalb sollte man sich im Klaren darüber sein – oder sich vorher Klarheit darüber verschaffen –, welche Fähigkeiten mit einem speziellen Test erfasst werden. Darüber hinaus erweisen sich die meisten – nicht alle – Tests gerade im oberen Intelligenzbereich als relativ ungenau.

Gleichwohl ermöglichen die anerkannten und aktuellen Intelligenztests bei Kindern ab etwa fünf Jahren relativ zuverlässige Einschätzungen der Begabung (siehe auch Testen - ja oder nein?).

Nachfolgend einige der häufig eingesetzten, anerkannten Intelligenztests für unterschiedliche Altersstufen:

1. Vorschulalter

  • Bildbasierter Intelligenztest für das Vorschulalter BIVA
    (dreieinhalb bis sieben Jahre)
    Test auf elementare Lernfertigkeiten, bildbasiert,
    Dauer: 30-60 Min., Auswertung 10 Min.
  • Hannover-Wechsler-Test für das Vorschulalter HAWIVA III
    (zweieinhalb bis sieben Jahre)
    Erfasst werden allgemeine Intelligenz sowie Leistungsfähigkeit im
    kognitiv-verbalen und praktischen Leistungsbereich
  • Kaufman Assessment Battery for Children K-ABC
    Deutsche Version (zweieinhalb bis zwölf Jahre)
    Aus 16 Untertests, darunter sprachfreie, wird altersabhängig
    ausgewählt; Dauer: 45-60 Min.


2. Ab Schulalter

  • Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Kinder IV HAWIK IV
    (sechs bis sechzehn Jahre)
    Test auf kognitive Fähigkeiten wie auch auf Gesamt-IQ;
    15 Untertests; Dauer: 60-80 Min.; Auswertung 15 Min.
  • Grundintelligenztest CFT 20-R
    (ab achteinhalb Jahre)
    Zwei Teile mit je vier Untertests, darunter Wortschatztest
    und Zahlenfolgetest; Dauer rund 60 Min.
  • Adaptives Intelligenz-Diagnostikum AID 2
    (sechs bis fünfzehn Jahre)
    Elf Unter- sowie drei Zusatztests; Dauer: 30-75 Min.;
    auch zum Erkennen von Teilleistungsstörungen
  • Münchener Hochbegabungstestbatterie MHBT-P
    (3./4. Klasse)
    Hohes Niveau, Einsatz u.a. in der Hochbegabtenförderung;
    computergestützte Auswertung


3. Ältere Schulkinder, Jugendliche

  • Berliner Intelligenzstrukturtest BIS-HB
    (zwölfeinhalb bis sechszehn Jahre)
    Erfasst mit vielfältigen Aufgaben eine große Vielfalt intellektueller
    Fähigkeiten unter Einschluss von Kreativität; in Kurz- und
    Langversion; Dauer: 60 Min. bzw. 140 Min. (mit Pausen)
  • Münchener Hochbegabungstestbatterie MHBT-S
    (4. bis 12. Klasse)
    Für Hochbegabtenberatung und –förderung, in Forschung und
    Beurteilung von Förderprogrammen; oft genügt teilweiser Einsatz;
    Komplett-Dauer: bis 240 Min., üblicherweise kürzer
  • Raven Matrizen Tests APM
    (ab zwölf Jahre)
    Sprachfreier Test zur Erfassung der allgemeinen Intelligenz;
    Dauer 20 bis 30 Min.
  • Kognitiver Fähigkeiten Test KFT 4-12
    (4. bis 12. Klasse)
    Bestimmung von Fähigkeiten insbesondere für schulisches Lernen;
    Dauer: bis 150 Min.
  • Intelligenz-Struktur-Test IST 2000 R
    (ab fünfzehn Jahre)
    Testet Vielfalt an Fähigkeiten; vielseitig einsetzbar;
    Dauer: 80 bis 130 Min.

Diese und weitere Intelligenztests zur Messung intellektueller Begabung werden im Hinblick auf ihre Eignung für die Begabungsdiagnostik ausführlich dargestellt im Artikel Auswahl von Intelligenztests in der Begabungsdiagnostik – Erfahrungen aus der Praxis von Ulrike Kipman.

Weiterführende Informationen zumThema finden Sie z.B. bei Kurt A. Heller; Heinz Holling, Franzis Preckel & Miriam Vock; Franzis Preckel & Matthias Brüll; Aiga Stapf; Frank M. Spinath.
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