Begabungen erkennen

Wie erkenne ich Begabung?

Wie es keine verbindliche Definition des Begriffs Begabung gibt, existiert auch keine verbindliche "Gebrauchsanweisung", wie man Begabung sicher erkennt. Gleichwohl ist es von Bedeutung, Kinder und Jugendliche so früh wie möglich für ihre Fähigkeiten zu interessieren und sensibilisieren, ihre Potenziale zu erkennen und bestmöglich zu fördern - im Interesse des einzelnen Kindes oder Jugendlichen wie der gesamten Gesellschaft.
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Mit zunehmender Dauer der Diskussion in der Öffentlichkeit hat sich eine umfangreiche Ratgeber-Literatur etabliert, die eine Vielzahl von Tests in Form von "Checklisten" anbietet. Doch Vorsicht. Diese halten kaum jemals wissenschaftlichen Ansprüchen oder gar der Realität stand.

Dagegen gibt es durchaus Hinweise, die auf eine mögliche hohe Begabung deuten können: Zu nennen sind beispielsweise eine außergewöhnliche Sprachentwicklung, die sich in einem für das Alter großen Wortschatz und einem hohen sprachlichen Ausdrucksvermögen zeigen kann, oder Fähigkeiten im logischen Denken, im Erkennen von Zusammenhängen.

Unsichere Prognosen?

Fachleute warnen davor, frühes Beherrschen in Lesen, Schreiben und Rechnen (vor der Einschulung) in jedem Fall für Hinweise auf hohe allgemeine Intelligenz und Begabung zu halten – andererseits aber kann dies auf ein besonderes Interesse deuten, das bei entsprechender Förderung die spätere Entwicklung positiv beeinflusst.

Oft wird gefragt, wann Begabung erkannt werden kann. Generell gilt: Je jünger ein Kind ist, desto unsicherer ist eine Prognose zur Entwicklung. Dass ehrgeizige Eltern ihr Kind überschätzen, es fälschlicherweise – schlimmstenfalls aus Status-Überlegungen – für (hoch-)begabt halten und ausgeben, kommt zwar vor, ist aber entgegen der öffentlichen Wahrnehmung recht selten. Die meisten Eltern sind durchaus fähig, die Interessen und das Potenzial ihres Kindes auf Grund langfristiger Beobachtung – auch vor bzw. außerhalb des Kindergartens – nüchtern und sachlich einzuschätzen. Dagegen sind im Elternhaus verlässliche Vergleiche mit Gleichaltrigen nicht unbedingt so selbstverständlich gegeben wie im Kindergarten, allerdings sind derzeit die meisten Erzieherinnen und Erzieher in ihrer Ausbildung noch nicht mit dem Phänomen "Begabung" bekannt gemacht worden.

Unterschiedliche Lehrermeinungen einholen

Beides – positiv wie möglicherweise negativ – gilt auch für das Entwickeln und Fördern von Begabung in der Schule. Allerdings haben Lehrerinnen und Lehrer ihrerseits andere, weitergehende Möglichkeiten der Leistungsmessung. Bei aller Problematik der Zensurengebung – schon die Tatsache, dass Zeugnisnoten von verschiedenen Lehrpersonen vergeben werden, kann wertvolle Hinweise geben, wenn ein Kind in vielen oder sogar allen Unterrichts-Fächern weit überdurchschnittlich gut beurteilt wird.

Zu beachten ist für Lehrerinnen und Lehrer wie für Eltern allerdings, dass schüchterne, zurückhaltende Kinder möglicherweise unterschätzt werden – und dass es begabte, sogar hochbegabte Kinder gibt, die trotz hoher Intelligenz aus ganz verschiedenen Gründen nur durchschnittliche oder gar unterdurchschnittliche Leistungen erbringen (siehe auch Was sind "Minderleister?").

Weiterführende Informationen zu diesem Thema finden Sie z.B. bei Kurt A. Heller & Albert Ziegler; Hella Schick.
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