"Wir wollen das Akademiefeeling ins Digitale übertragen"

Interview mit dem Team der VorbilderAkademie Ruhr 2020

Vom 10. bis 17. Oktober können Neunt- und Zehntklässler an der VorbilderAkademie Ruhr sich mit Themen rund um Ausbildung, Studium und Persönlichkeitsentwicklung beschäftigen. Das Besondere: Die Akademie findet aufgrund der Corona-Pandemie erstmals digital statt. Eine spannende Herausforderung – auch für die Verantwortlichen. Was die Teilnehmenden genau erwartet, welche Methoden zum Einsatz kommen und wie ein gelungener Ausgleich zwischen On- und Offline aussieht, erklären Serena Nkana (22), Diara Haas (21) und Florian Helfer (25), die gemeinsam mit anderen jungen Menschen die Akademie leiten werden.
VorbilderAkademie Metropole Ruhr

VorbilderAkademie Metropole Ruhr

Jugendliche aus dem Ruhrgebiet können sich noch bis zum 30. September 2020 für die VorbilderAkademie Metropole Ruhr bewerben. Bei der digitalen Akademie in den Herbstferien erforschen Schülerinnen und Schüler aller Schulformen und Herkunftskulturen nicht nur Fragen mit fachlichem Hintergrund, sondern beschäftigen sich darüber hinaus mit Themen rund um Ausbildung, Studium und Persönlichkeitsentwicklung.

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Digitale VorbilderAkademie Metropole Ruhr 2020
VorbilderAkademie

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Welche Chancen habe ich nach dem Schulabschluss? Wo kann man sich über verschiedene Berufsfelder informieren? Und welche interessanten Studiengänge gibt es? Die VorbilderAkademie unterstützt Jugendliche mit und ohne Zuwanderungsgeschichte darin, individuelle Bildungswege zu entdecken und herauszufinden, welche Möglichkeiten ihnen offenstehen.

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Katharina Eichelberg

Katharina Eichelberg

  • Team Akademien
  • (02 28) 959 15-75

Dr. Petra Flocke

Dr. Petra Flocke

  • Team Akademien
  • (02 28) 959 15-47

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, um bei der VorbilderAkademie Ruhr dabei zu sein?

Serena: Grundsätzlich sollte man die 9. oder 10. Klasse besuchen – welche Schulform ist dabei egal. Es gibt auch eine geographische Voraussetzung, denn die VA Ruhr richtet sich an Schülerinnen und Schüler aus dem Ruhrgebiet.

Diara: Die VorbilderAkademie richtet sich hauptsächlich an Jugendliche, die Startschwierigkeiten in der Schule oder in der Ausbildung, einen Migrationshintergrund oder von Haus aus keine üppigen finanziellen Möglichkeiten haben.

Florian: Am Wichtigsten ist, dass die Jugendlichen motiviert sind, dass sie bereit sind, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und sich mit Zukunftsperspektiven zu beschäftigen. Egal, ob das in Richtung eines Studiums geht oder ob man andere Pläne hat. Sie sollten bereit sein, sich auch mit sich selbst auseinanderzusetzen, sich zu überlegen: Wo liegen meine Talente? Was kann ich gut? Wo möchte ich mich weiterentwickeln?

Normalerweise findet die VorbilderAkademie als einwöchiges Präsenzformat statt, zum Beispiel in einer Jugendherberge. In diesem Jahr plant ihr aber eine digitale Akademie. Was heißt das genau?

Florian: Für uns ist es eine große Herausforderung. Denn das, was normalerweise in einer Woche an einem Ort geschieht, passiert nun online. Wir sind davon überzeugt, dass auch auf diesem Weg die Jugendlichen sich gegenseitig inspirieren und voneinander lernen können, ein wichtiges Ziel der Akademie also erreicht wird.

Serena: So ist es. Auch wenn das bedeutet, dass bei unseren Kursen einige Dinge umstrukturiert werden müssen, betrachte ich das als große Chance in einer Zeit, in der ja ohnehin alles immer digitaler wird.

Florian: Das digitale Format wird sicher auch zukünftige Präsenzakademien beeinflussen. Man wird stärker auf digitale Möglichkeiten zurückgreifen. Gäste, Personen des öffentlichen Lebens, die aufgrund ihrer Lebensläufe für unsere Teilnehmenden interessant sind, kann man viel eher für ein einstündiges Webinar gewinnen als für eine „normale“ Akademie, die mit einer langen Anreise und Übernachtung verbunden wäre. Da sehen wir ein besonders großes Potenzial.

Geplant ist unter anderem eine Art „digitale Kommandozentrale“, sprich: Das Akademieteam wird sich für den Akademiezeitraum physisch an einem Ort treffen, um die Angebote durchzuführen. Was ist der Grund dafür?

Florian: Wir haben im Mai bei einem eintägigen digitalen Talenttag an einer Schule in Bremen schon einige Erfahrungen sammeln können. Eines der Dinge, die wir dabei gelernt haben, war: Es ist für die Absprache untereinander unglaublich wichtig, dass man kurze Wege hat. Das war der Grund, weswegen wir gesagt haben: Auch wenn die Akademie digital stattfindet, ist das Team an einem Ort. Für uns ist das auch ein Versuch, das „Akademiefeeling“, das die VorbilderAkademie ganz stark prägt, ins Digitale zu übertragen.

Wie meinst Du das?

Florian: Wenn wir als Team das Gefühl haben, eine Einheit zu sein, dann hat das eine hohe Strahlkraft auf die gesamte Akademie. Wir haben uns intensiv mit der Frage beschäftigt: Wie kann man eine Akademie digital realisieren, ohne dass man schon am zweiten Tag Kopfschmerzen und dicke Augen hat. Wir versuchen, so gut es geht, einen Ausgleich zu schaffen zwischen Videomodulen und Formaten, die asynchron sind. Also: Ohne Videokonferenz, in Einzel- oder in Gruppenarbeit durchgeführt werden können. Wir wollen, Möglichkeiten schaffen, damit die Jugendlichen miteinander kommunizieren können – beispielsweise über einen Voice-Chat oder eine Plattform, die wir momentan aufbauen. Die funktioniert wie ein soziales Netzwerk, in dem es aber ausschließlich um unsere Akademie und unsere Teilnehmenden geht.

Welche technischen Voraussetzungen brauchen Jugendliche, die teilnehmen möchten?

Florian: Eigentlich brauchen sie nur ihre Motivation. Wer kein Smartphone oder keinen Computer hat und unbedingt teilnehmen möchte, für den finden wir auf jeden Fall eine Lösung.

Diara, Du kümmerst dich um das musikalische Angebot: Kann das digital überhaupt funktionieren?

Diara: Ganz klar: Ja. Auch wenn wir uns nicht alle sehen, haben wir trotzdem verschiedene Möglichkeiten: Wir könnten gemeinsam einen Akademiesong erschaffen und zusammen musizieren, auch wenn es nicht im direkten Kontakt miteinander ist.

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Serena Nkana und Diara Haas waren einst selbst als Teilnehmerinnen bei der VorbilderAkademie dabei und gestalten nun die Akademie 2020 mit.

Mir selbst ist dabei sehr wichtig, auf das zu hören, worauf die Teilnehmenden Lust und woran sie Interesse haben. Zentral ist, dass die Jugendlichen am Ende positive Erfahrungen auch mit dem digitalen Musizieren und vor allem einen Denkanstoß und Inspiration für eigene Projekte für sich mitnehmen können.

Was erwartet die Teilnehmenden außerdem?

Serena: Es wird Kurse zu verschiedenen Themen geben, wie Videojournalismus, Informatik, Medizin und Wirtschaftsrecht – das ist der Kurs, den ich verantworte. Mein Ziel ist, so wenig wie möglich frontal zu machen, damit die Jugendlichen auch lernen, eigenständig zu planen und zu arbeiten. Zum Beispiel habe ich vor, eine Art Gerichtsverhandlung mit den Teilnehmenden nachzuspielen – das geht virtuell ziemlich gut!

Florian: Wir reden die ganze Zeit über Talententwicklung und Potenzialförderung. Aber der Spaß soll natürlich nicht zu kurz kommen. Daher haben wir uns überlegt, die Teilnehmenden möglichst häufig in neuen Konstellationen zusammen zu bringen, in kleinen Gruppen, in denen sie gemeinsam Aufgaben lösen und sich dabei kennenlernen können. Ohne zu viel zu verraten zu wollen: Es wird eine tägliche Challenge geben, eine kleine Herausforderung, die im Laufe des Tages gemeinsam bewältigt werden muss. Wir wollen die Teilnehmenden auch an die frische Luft bringen – zum Beispiel im Rahmen eine Radtour, bei der sich jeder für sich auf das Rad schwingt und wir tracken, wie viel Kilometer die Akademie in acht Tagen gemeinsam zurücklegen kann. Wir haben noch einen Haufen anderer Ideen, aber ich bin nicht sicher, ob ich die alle schon verraten soll… (lacht)

Wie sieht denn ein typischer Tag an der VorbilderAkademie aus?

Diara: Wir haben morgens das Plenum, das ungefähr eine halbe Stunde dauert, und das aus Warm-Ups und Morgenritualen besteht. Außerdem besprechen wir dabei mit den Jugendlichen die Challenges, die wir machen wollen. In Anschluss daran finden die Kurse statt. Nach einer kurzen Mittagspause wird es Workshops geben, Musikangebote und verschiedene wechselnde Programmpunkte, zum Beispiel Treffen mit Vorbildern oder einen digitalen Spieleabend.

Florian: Es geht uns bei den Workshops auch darum, dass die Teilnehmenden selbst Gelegenheit haben, Angebote zu gestalten und Dinge zu thematisieren, die ihnen selbst am Herzen liegen. Das können sportliche Angebote sein, wie zum Beispiel ein Fitnesskurs oder Kreativworkshops.

Ihr habt es bereits angesprochen: Es wird Gäste geben, Personen des öffentlichen Lebens, die zugeschaltet werden.

Florian: Das Schöne ist, dass wir durch das digitale Format sehr flexibel sind und auch auf die Wünsche der Schülerinnen und Schüler eingehen können. Wir versuchen, möglichst viele unterschiedliche Charaktere vorzustellen, Menschen, die in verschieden Bereiche reingeschnuppert haben und deshalb aus verschiedenen Blickwinkeln über ihre Tätigkeit berichten können. Unser Ziel ist es, den Jugendlichen Persönlichkeiten vorzustellen, die man sich selbst, wenn man möchte, als Vorbild nehmen kann – deswegen heißt die Akademie ja auch VorbilderAkademie.

Welcher Gedanke steckt dahinter?

Florian: Ein wichtiger Teil der VorbilderAkademie ist, dass wir individuell fördern. Dass wir schauen: Welche Bedürfnisse hat der oder die Einzelne? Wie können wir die Jugendlichen über die Akademie hinaus unterstützen und ihnen Orientierung geben? Auf einer normalen Präsenzakademie passiert da sehr viel nebenbei. Das versuchen wir dadurch nun abzubilden, dass wir ein individuelles Coaching anbieten. Wir suchen aktiv den Kontakt zu den einzelnen Teilnehmenden und sind Anlaufstelle, falls es irgendwo Bedarf gibt – ob es Richtung Berufsberatung geht oder um Dinge, die die Jugendlichen gerade aktuell beschäftigen, wie zum Beispiel ihre Situation in der Schule.

Serena und Diara, ihr seid selbst als Jugendliche bei einer VorbilderAkademie dabei gewesen. Wie hat euch diese Erfahrung geprägt?

Serena: Ich habe mitgenommen: Es ist egal, woher du kommst, welche Voraussetzungen du hast, was man dir mitgegeben hast: Du kannst es schaffen! Mir haben die Menschen auf der Akademie das Gefühl mitgegeben, dass sie an mich glauben.

Diara: Dem würde ich mich aus vollem Herzen anschließen. Ich habe eines meiner Studienfächer auf der Akademie entdeckt. Außerdem: Die Wertschätzung meiner Interessen und Fähigkeiten, die mir auf der Akademie entgegengebracht wurde – ganz anders als in der Schule. Das hat mir Sicherheit und Selbstbewusstsein vermittelt.

Florian: VorbilderAkademie ist eben nicht Schule in den Ferien. Wir sind auch keine Lehrer, sondern verstehen uns eher als Lernbegleiter.

Mehr Informationen, ausführliche Projektbeschreibungen und alles Wichtige zur Bewerbung gibt es auf der Website der VorbilderAkademie.

Interview: Matthias Bunk, Foto: Bildung & Begabung
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