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Julios Traum

VorbilderAkademie: Bessere Bildungschancen für junge Flüchtlinge

Yves Julio Waffo ist vor drei Jahren aus Kamerun geflohen. Seit 2012 lebt der heute 17-Jährige in einem Jugendzentrum in Aachen. Bei der VorbilderAkademie Metropole Ruhr 2014 lernte er erstmals die Möglichkeiten des deutschen Bildungssystems kennen. Mit dem Förderprogramm wendet sich Bildung & Begabung gezielt an junge Migranten und Flüchtlinge.

VorbilderAkademie

Damit jeder seine individuellen Chancen bestmöglich nutzen kann, unterstützt Bildung & Begabung Jugendliche mit Migrationshintergrund darin, ihre eigenen Talente zu erkennen und auszuloten, wie es nach der Schule weitergehen kann. Die Akademie informiert Schüler aller Schulformen über Möglichkeiten und Chancen des Bildungssystems und hilft den Teilnehmern, Karrierewege für sich zu identifizieren. Ein zentrales Element sind Begegnungen mit Vorbildern. Erfolgreiche Persönlichkeiten, die einen Zuwanderungshintergrund haben, erzählen von ihrem Werdegang, geben Ratschläge und machen Mut. 2014 hat Bildung & Begabung zwei VorbilderAkademien angeboten. Bei der VorbilderAkademie Bayreuth und der VorbilderAkademie Metropole Ruhr, die im nordrhein-westfälischen Goch stattfand, kamen in den Sommerferien insgesamt 75 Schüler mit 40 kulturellen Hintergründen zusammen. Weitere Infos gibt es auf der Website der VorbilderAkademie.

Ulrike Leikhof

Ulrike Leikhof

  • Leiterin Akademien / Talent- und VorbilderAkademien
  • (02 28) 959 15-70

In seiner Rede auf der Abschlussveranstaltung der VorbilderAkademie sprach Julio über seinen Traum: „Mein größter Wunsch ist eine Welt, in der es keinen Krieg gibt, wo die Menschen zusammen leben, egal woher sie kommen. Diese Welt haben wir hier geschafft. Während dieser Woche gab es zwischen uns keinen Unterschied zwischen Schwarz oder Weiß, Muslim oder Christ. Es gab nur junge Menschen, die zusammen leben wollen.“

Solche Erfahrungen durfte Julio nicht immer machen. Geboren wurde er 1997 in Douala, der größten Stadt Kameruns. Beide Eltern sind gestorben, als Julio noch ein Kind war. Auch sein Bruder Daniel starb bereits im Kindesalter. Schwere Schicksalsschläge für einen jungen Mann, der 2012 mit 15 Jahren den Entschluss fasste, mit seinem Bruder Omer aus dem westafrikanischen Land zu fliehen. In Deutschland fanden die beiden Flüchtlinge ein neues Zuhause im „Maria im Tann: Zentrum für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe“ in Aachen. Julio nahm sofort nach seiner Ankunft Deutschunterricht, seit September 2013 geht er auf die Gemeinschaftshauptschule Kronenberg in Aachen. Sein Deutsch war bereits nach wenigen Monaten so gut, dass er in fast allen Fächern die Regelklassen besuchen kann.

NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann begrüßt Engagement

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Auf der Abschlussveranstaltung der VorbilderAkademie Metropole Ruhr hielt Julio eine kurze Rede.
Mit den VorbilderAkademien bringt Bildung & Begabung Jugendliche unterschiedlicher Herkunft zusammen und unterstützt sie dabei, Bildungswege für sich zu entdecken. Auch Flüchtlinge wie Julio erfahren hier, welche Möglichkeiten ihnen das deutsche Bildungssystem bietet. „Den jungen Menschen fehlen oft notwendige Kontakte, um ihre Talente entfalten zu können“, erklärt Elke Völmicke, Geschäftsführerin des bundesweiten Talentförderzentrums Bildung & Begabung. „Wir bieten ihnen die Möglichkeit, ein Netzwerk zu knüpfen. Das erleichtert ihnen den Zugang zu den vielfältigen Chancen des deutschen Bildungssystems.“

NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann begrüßt das Engagement: „Grundsätzlich ist es für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund besonders wichtig, dass sie auch außerhalb von Schule unterstützt und gefördert werden. Das Zentrum für Talentförderung leistet mit seinen VorbilderAkademien einen wichtigen Beitrag. Sie richten sich nicht nur an junge Migrantinnen und Migranten, sondern verstärkt auch an Flüchtlingskinder“, sagte sie als Präsidentin der Kultusministerkonferenz anlässlich der Kuratoriumssitzung von Bildung & Begabung.

Für Julio war die VorbilderAkademie im August 2014 wegweisend. Sie ermöglichte ihm, einen Teil seines Traumes zu leben: „Wir haben eine Welt des Friedens und der Toleranz gegründet, in der es Liebe und Respekt gab. Ich bedanke mich bei den Leuten, die dieses Projekt ermöglicht haben und bei den Betreuern, die immer für uns da waren.“
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