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Talentförderung in der World of Warcraft

Chancen und Risiken von Gaming für die Bildung auf dem Stiftungstag erörtert

Alle spielen. Jeder zweite Deutsche soll ein Gamer sein, Frauen und Männer aller Altersgruppen, Bildungsgrade und sozialen Schichten. Die öffentliche Debatte über digitale Spiele dreht sich dennoch meist um Ängste. Viel zu selten ist von den Chancen die Rede, die das Gaming gerade in der Bildung mit sich brächte. Anlass für den Stifterverband und Bildung & Begabung, das brisante Thema beim Deutschen Stiftungstag 2017 auf die Tagesordnung zu setzen.

Das Podium

  • Prof. Dr. Linda Breitlauch ist Medienwissenschaftlerin und Professorin für Game-Design an der Hochschule Trier. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Interactive Storytelling, Dramaturgie und Serious Games. In ihrem Blog beschreibt sie ihre „Gamestories“.
  • Monika Heusinger ist Französisch- und Spanischlehrerin am Otto-Hahn-Gymnasium in Saarbrücken, Fachleiterin und Dozentin für Fachdidaktik an der Universität des Saarlandes. Sie ist außerdem Bloggerin (Lernen in der Postkreidezeit) und Pionierin des schulischen Lernens mit digitalen Medien und in Sachen Gamification im Unterricht.
  • Haydar Genc besucht die 11. Klasse der Schule in Dortmund. Er spielt Gitarre, ist Schulsanitäter und hat Spaß daran, immer neue Dinge zu lernen. Er hat sich selbst die Programmiersprache Java beigebracht.
  • Peter Tscherne ist Geschäftsführer der Stiftung Digitale Spielekultur in Berlin. Als Organisationsberater gestaltet er zudem Veränderungsprozesse von Unternehmen an der Schnittstelle zwischen Organisationsberatung und dem Einsatz neuer Medien.

Deutscher Stiftungstag

Rund 1.600 Stifterinnen und Stifter, Geschäftsführer und Stiftungsmitarbeiter sowie Multiplikatoren kamen auf Europas größtem Stiftungskongress unter dem Motto "Bildung!" vom 17. bis 19. Mai 2017 in Osnabrück zusammen.

Mehr Informationen zum Stiftungstag 2017 auf der Website des Bundesverband Deutscher Stiftungen

PD Dr. Elke Völmicke

PD Dr. Elke Völmicke

  • Geschäftsführerin
  • (02 28) 959 15-10

Nikolaus Sedelmeier

Nikolaus Sedelmeier

  • Leiter Kommunikation
  • (02 28) 959 15-62

Kathrin Westhölter

Kathrin Westhölter

  • Referentin Kommunikation
  • (02 28) 959 15-60

19.05.2017, Osnabrück
Willkommen in Azeroth!

Der Tagungsraum lag allerdings nicht in Lordaeron, sondern im eleganten Zweckbau der OsnabrückHalle. Auf dem Podium im Saal 7 saßen auch keine Nachtelfen und Orcs, sondern Gaming-Experten aus ganz Deutschland. Unter dem Titel „Talentförderung in der World of Warcraft“ debattierten Linda Breitlauch, Professorin für Game-Design an der Hochschule Trier, die Bloggerin und Französisch- und Spanischlehrerin am Otto-Hahn-Gymnasium in Saarbrücken, Monika Heusinger, der Geschäftsführer der Stiftung Digitale Spielekultur in Berlin, Peter Tscherne, und der Schüler Haydar Genc.

Monika Heusinger, Linda Breitlauch, Elke Völmicke, Haydar Genc und Peter Tscherne (v.l. diskutierten über Gaming und Bildung.
Bildung & Begabung-Geschäftsführerin Elke Völmicke stellte vor über 50 interessierten Zuhörern die Leitfrage: „Können wir die Leidenschaft für das Spielen sinnvoll für die Talentförderung nutzen?“ Zugleich forderte sie die Gesprächsrunde dazu auf, auch die kritischen Aspekte nicht auszublenden.

„Das Potenzial ist riesig“

Linda Breitlauch trat umgehend Vorurteilen entgegen, das Genre der Games sei grundsätzlich verwerflich. „Man kann die Qualität von Games genauso unterschiedlich bewerten wie Filme oder Bücher.“ Neurologische Studien hätten im Übrigen ergeben, „dass die kognitiven Fähigkeiten erhöht werden durch das Spielen.“ Die Medienwissenschaftlerin fügte gerade mit Blick auf die Bildung hinzu: „Das was Spaß macht am Spielen, ist das Lernen.“

Monika Heusinger brachte positive Erfahrungen aus dem Schulalltag mit: „Das Potenzial ist riesig, etwa für problemlösendes und strategisches Denken. Ein Spiel wie Minecraft fördert das räumliche Vorstellungsvermögen und hilft beim Programmieren.“ Games könnten komplexe Prozesse für Schüler greifbar machen. Empathie werde ebenso gefördert wie das interkulturelle Verständnis. Allerdings dürfe man die Schüler nicht alleine lassen und müsse die Spiele in die Lernsettings integrieren. Tipps für den Unterricht gebe es in Webinaren, Facebookgruppen und bei Twitter: „Das Angebot ist da, man muss es nur nutzen.“

Peter Tscherne machte deutlich, dass digital engagierte Lehrer wie Heusinger immer noch die Ausnahme darstellen. „Es sind nur einzelne Schulen, die sich melden und die sind überwiegend an der kritischen Perspektive interessiert. Da ist noch viel zu tun, etwa bei der Ausbildung der Pädagogen.“ Dabei seien gerade die digitalen Spiele sehr anschlussfähig an die Lebenswelt der Jugendlichen und gut geeignet für die Diskussion und Reflexion von Identität und Stereotypen.

„Das Spiel läuft nicht weg“

„An meiner Schule werden im Unterricht leider keine Games gespielt“, bedauerte Haydar Genc. Nur im Matheunterricht habe es Anregung fürs Programmieren gegeben. „Da gehen dann die Schüler an ihre Grenzen“, sagte der junge Dortmunder, der die VorbilderAkademie von Bildung & Begabung besucht hat und selbst in der Freizeit Spiele programmiert. Die Kritik an Games kann der Schüler durchaus nachvollziehen. Für die Bekämpfung der Spielsucht hatte er aber ein einfaches Rezept parat: „Wenn die Mutter ruft, weil der Müll runter getragen werden muss, dann kann ich den Computer auch ausschalten. Das Spiel läuft ja nicht weg.“
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