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Von alten
und neuen Zöpfen

Für Eyleen Goldschmidt
sind digitale Medien eine Bereicherung

Sympathisch, neugierig und selbstbewusst – so präsentiert sich die 18-jährige Schülerin Eyleen Goldschmidt auf ihrem eigenen Youtube-Kanal, mit dem sie tausende Internetnutzer erreicht. Auch für den Bundeswettbewerb Fremdsprachen und die Weiterbildungs-Plattform @Ucation von Bildung & Begabung hat die Zwölftklässlerin schon Videos gedreht.

Jahresbericht 2017/18

Dies ist ein Artikel aus dem Jahresbericht 2017/18. Hier kann der Bericht durchgeblättert, heruntergeladen oder als Printausgabe bestellt werden.

Digitalisierung aus Schülerperspektive

Eyleen Goldschmidt spricht für @Ucation über digitale Medien und Tools in der Schule.

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Tutorial Bundeswettbewerb Fremdsprachen

Im Video-Tutorial erklärt Eyleen Goldschmidt, wie man ein Video für den Bundeswettbewerb Fremdsprachen erstellt.

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@Ucation

@Ucation

Mit @Ucation hat Bildung & Begabung ein Online-Weiterbildungsangebot entwickelt, das Talentförderer zeit- und ortsunabhängig nutzen können.

Bundeswettbewerb Fremdsprachen

Bundeswettbewerb Fremdsprachen

Der Bundeswettbewerb ist einer der traditionsreichsten Schülerwettbewerbe in Deutschland und ermuntert mit mehreren Formaten sprachbegeisterte junge Leute zu Bestleistungen.

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Dr. Petra Flocke

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Bernhard Sicking

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Matthias Bunk

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26.11.2018
Wer schon einmal vor einer Kamera gestanden hat, weiß, wie seltsam sich das anfühlen kann: Das Licht blendet, die Frisur sitzt nicht richtig und die eigene Stimme klingt auf einmal ganz fremd. So war es auch für Eyleen Goldschmidt, als sie im April 2015 ihr erstes Video drehte und auf Youtube hoch lud: „Ich lebe in einem kleinen Dorf, da war die Hemmschwelle noch größer“, erzählt die 18-jährige Schülerin aus dem rheinland-pfälzischen Morbach. Mittlerweile ist Eyleen aber ein echter Profi. Knapp 20 Clips hat sie in den vergangenen drei Jahren produziert, geschnitten und auf ihrem Youtube-Kanal eingestellt. Letzterer zählt inzwischen über 6.000 Abonnenten. In Eyleens Beiträgen geht es um ihren Alltag, ihre Lieblings-Serien oder um vegane Ernährung. Und natürlich auch um ihre auffälligen Zöpfe – über 37.000-mal wurde das Video geklickt, in dem sie erklärt, wie man eine solche Flechtfrisur selbst herstellen kann. Für den Bundeswettbewerb Fremdsprachen hat Eyleen im vergangenen Jahr außerdem einen Clip produziert, in dem sie Tipps und Tricks für einen gelungenen Video-Beitrag verrät. Auch bei der Fachtagung Perspektive Begabung im Mai 2018 stand sie vor der Kamera.

Aber wie kommt man überhaupt auf die Idee, vor einem völlig fremden Publikum aus dem eigenen Privatleben zu plaudern? In Zeiten, in denen schon Grundschulkinder „Youtube-Star“ als Traumberuf angeben, scheint es so, als sei eine möglichst große Aufmerksamkeit für viele junge Menschen die wichtigste Währung geworden. „Natürlich möchte man am Anfang auch eine gewisse Reichweite haben“, meint Eyleen dazu. Für sie sei es aber in erster Linie wichtig, sich künstlerisch auszudrücken können, selbst etwas zu kreieren: „Man kann seine Persönlichkeit so am besten rüberbringen.“ Die Zahl der eigenen „Fans“ sei da gar nicht so wichtig: „Auch wenn du nur fünf Abonnenten hast – wenn du jedem davon etwas vermitteln kannst, dann ist das für mich schon genug.“ Eine große Rolle spiele das Feedback, das sie von den Zuschauern ihrer Videos bekomme: „Wenn irgendjemand unter mein Video schreibt, dass ich etwas bei ihm bewegt habe – dann ist das für mich das größte Kompliment überhaupt.“

Für mehr kreative Freiräume im Unterricht

Das notwendige Handwerkszeug zum Schneiden und Bearbeiten der Filme hat Eyleen sich selbst beigebracht – wie sie auch sonst häufig autodidaktisch unterwegs ist. Am heutigen Schulsystem kritisiert die Zwölftklässlerin, dass zu viel Wert auf Inhalte gelegt werde, die im wirklichen Leben keinen praktischen Nutzen hätten: „Ich werde auch ohne Kurvendiskussion mein Auto fahren können.“ Stattdessen solle die Schule stärker kreative Kompetenzen fördern und den Jugendlichen zeigen, wie sie die eigenen Stärken und Potenzial entfalten können: „Man sollte gezielt auf den einzelnen Menschen schauen, was er kann, was er will.“ Ganz im Sinne also des Humboldt’schen Bildungsideals, nach dem der Mensch im Mittelpunkt „aller besonderen Tätigkeiten“ steht.

Wenn es nach Eyleen ginge, sollten dabei unbedingt digitale Formate stärker zum Einsatz kommen. „Digitale Medien bereichern den Unterricht. Heute muss man nicht mehr aufwendig auf Kreidetafeln schreiben. Es gibt viel mehr Möglichkeiten, um die Kreativität und Individualität des Unterrichts zu steigern. Das macht es auch für die Schüler spannender.“ Als Youtuberin findet sie es selbstverständlich, im Unterrichtskontext mit Videos zu arbeiten. Auf Youtube gebe es eine große Bildungscommunity und zahlreiche Kanäle mit guten Inhalten, etwa zur Biologie oder für den Geschichtsunterricht. Das hätte mittlerweile auch so mancher Lehrer gemerkt und empfehle bestimmte Videos – als Ergänzung zum Unterricht, „nicht, um den Lernstoff zu ersetzen.“ Das größte Plus sei dabei die altersmäßige Nähe vieler Youtuber zu den Schülern: „Ganz oft haben diese Leute ein besseres Verständnis dafür, was für uns wichtig ist.“

Und welche Pläne hat Eyleen selbst für die Zukunft? Für die Zeit nach dem Abitur träumt die Schülerin von einer Weltreise. Beruflich zieht es sie in die Medienbranche: „Ich brauche unbedingt einen Job, in dem ich meine Kreativität ausleben kann.“ Selbst als Lehrerin das Schulsystem revolutionieren möchte Eyleen eher nicht. „Nein, dann werde ich lieber gleich Bildungsministerin und ändere die Dinge von ganz oben“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Zutrauen würde man es ihr auf jeden Fall.
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