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Tag der Bildung 2019

Jugendliche verteilen schlechte Noten für Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem

Jugendliche glauben nicht, dass es im deutschen Bildungssystem Chancengleichheit gibt. Daran können digitale Technologien nur bedingt etwas ändern. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen forsa-Umfrage unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Auftrag des Stifterverbandes zum Tag der Bildung am 8. Dezember.

Tag der Bildung

  • Am Tag der Bildung soll in ganz Deutschland das Thema Bildung gezielt und auf neue Weise in die öffentliche Diskussion gebracht werden.
  • Als Initiatoren des Tags der Bildung bündeln der Stifterverband, die SOS-Kinderdörfer weltweit und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung ihre Kräfte.
  • Gemeinsames Ziel ist es, das Thema Bildung in den Mittelpunkt zu rücken und eine neue gesamtgesellschaftliche Bildungsdebatte anzustoßen.
  • Mehr Informationen unter www.tag-der-bildung

Konrad Hünerfeld

Konrad Hünerfeld

  • Leiter Kommunikation und Strategie
  • (0228) 959 15-62

09.12.2019, Essen/Bonn
Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der befragten 14- bis 21-Jährigen zweifeln daran, dass alle Kinder in Deutschland die gleichen Chancen auf eine gute Bildung haben. Nur 42 Prozent glauben, die soziale oder kulturelle Herkunft spiele keine Rolle für gute Bildung. Das sind 9 Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor. Damit hat sich der positive Trend der Vorjahre wieder umgekehrt.

Vor allem die Qualität der Schule und Lehrer haben großen Einfluss auf die Bildungschancen, sagen 92 Prozent der Befragten. Aber auch die Zuwendung und Unterstützung (91 Prozent) sowie die Eigenmotivation (90 Prozent) spielen eine große bis sehr große Rolle. 69 Prozent der Befragten meinen, dass die Bildung der Eltern ein wesentlicher Einflussfaktor ist.

Grafik: Stifterverband

Für die persönliche berufliche Zukunft seien verschiedene Kompetenzen wichtig, die in der Schule erlernt werden. Fast alle Befragten (98 Prozent) meinen, dass Selbstorganisation, Höflichkeit und Toleranz gegenüber anderen Menschen sowie Kenntnisse der deutschen Sprache (97 Prozent) für ihre berufliche Zukunft wichtig sind. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) glaubt darüber hinaus, das Programmier- und Softwarekenntnisse für die berufliche Karriere eine wichtige Rolle spielen.

Digitale Technologien führen nur bedingt zu mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen: 76 Prozent der befragten Jugendlichen verstehen unter Lehren und Lernen mit digitalen Medien nicht nur die Vermittlung technischer Kompetenzen, sondern auch das Lernen mit digitalen Informationen umzugehen. Auf die Frage, in welcher Form digitale Technologien die Bildungs- und Berufschancen sozial benachteiligter Kinder verbessern könnten, wusste die große Mehrheit spontan keine Antwort.

Grafik: Stifterverband

Vergleichsweise häufig (8 Prozent) wurde aber der einfache Zugang zu digitalen Lern- und Nachhilfeangeboten und zu kostenlosen Informationen im Netz genannt. Sieben Prozent der Jugendlichen meinen außerdem, durch die Vermittlung von Medienkompetenzen in der Schule würden sich die Zukunftschancen erhöhen. Das allerdings nur, wenn sozial benachteiligte Kinder digitale Geräte kostenlos nutzen könnten. Gibt es die Möglichkeit nicht, würden digitale Technologien die Ungleichheit eher verstärken. Für sozial benachteilige Haushalte seien sie zu kostspielig und können somit weniger genutzt werden.

B&B-Geschäftsführerin Elke Völmicke: „Schulen und außerschulische Partner müssen noch enger zusammenarbeiten“

Warum chancengerechte Bildung nur durch die Anstrengung aller Akteure im Bildungssystem gelingen kann, erklärte Elke Völmicke, Geschäftsführerin von Bildung & Begabung und verantwortlich für das Aktionsfeld Bildung des Stifterverbands: "Unser Bildungssystem ist an und für sich schon durchlässig – aber wir müssen die Jugendlichen auch befähigen, diese Durchlässigkeit zu nutzen. Hier müssen Schulen und außerschulische Partner noch enger zusammenarbeiten. "

Weitere Informationen zum Tag der Bildung: www.tag-der-bildung.de. Dort findet sich auch das komplette Interview mit Elke Völmicke.
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