Elements of Life

Titelthema des Jahresberichts 2018/19

„Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen.“ Dieses wahlweise Johann Wolfgang von Goethe oder Erich Kästner zugeschriebene Bonmot hat uns als Anregung für die Realisierung der Titelgeschichte dieses Heftes gedient. Wir haben drei junge Menschen aus unseren Akademien und Wettbewerben gebeten, uns ihren Lebensweg nicht nur zu erzählen, sondern auch aus farbigen Stecksteinen symbolisch nachzubauen.

Jahresbericht 2018/19 "I Did It My Way"

Wo will ich hin? Was sind meine Stärken? Welcher Weg passt zu mir? Diese Fragen stellen sich insbesondere junge Menschen, wenn sie vor wichtigen Weichenstellungen wie ihrer Schul- und Berufswahl stehen. Die Herausforderung besteht darin, zu erkennen, welche der zahlreichen Möglichkeiten zur eigenen Persönlichkeit passt. Den einen Weg gibt es dabei nicht. Vielmehr kommt es darauf an, verschiedene Optionen auszuprobieren, über den eigenen Tellerrand zu schauen, Chancen zu erkennen und zu ergreifen. In unserem Jahresbericht geben wir diesen verschiedenen Talentpfaden Gesichter. Es sind Gesichter von Menschen, die für unterschiedliche Lebensverläufe stehen – frei nach der Devise: „I Did It My Way“.

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Jahresbericht 2018/19 - Version 1
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Jahresbericht 2018/19 - Version 2
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Jahresbericht 2018/19 - Version 3
Bundeswettbewerb Fremdsprachen

Bundeswettbewerb Fremdsprachen

Der Bundeswettbewerb ist einer der traditionsreichsten Schülerwettbewerbe in Deutschland und ermuntert mit mehreren Formaten sprachbegeisterte junge Leute zu Bestleistungen.

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Bundesweite Mathematik-Wettbewerbe

Bundesweite Mathematik-Wettbewerbe

In den bundesweiten Mathematik-Wettbewerben bündelt Bildung & Begabung Förderangebote von der Grundschule bis zum internationalen Spitzen-Niveau.

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VorbilderAkademie

VorbilderAkademie

Welche Chancen habe ich nach dem Schulabschluss? Wo kann man sich über verschiedene Berufsfelder informieren? Und welche interessanten Studiengänge gibt es? Die VorbilderAkademie unterstützt Jugendliche mit Migrationshintergrund, individuelle Bildungswege zu entdecken und herauszufinden, welche Möglichkeiten ihnen offen stehen.

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Konrad Hünerfeld

Konrad Hünerfeld

  • Leiter Kommunikation und Strategie
  • (0228) 959 15-62

Matthias Bunk

Matthias Bunk

  • Projektleiter Kommunikation
  • (0228) 959 15-61

Jan-Lukas Wiebe

Jan-Lukas Wiebe begeisterte sich schon als kleines Kind für bewegte Bilder. Jetzt ist er Auszubildender zum Mediengestalter Bild und Ton. Denn nach dem Realschulabschluss an der Gesamtschule Wanne-Eickel ist er direkt in die Videobranche eingestiegen. Neben seiner Ausbildung ist Jan-Lukas politisch aktiv, spielt Theater am Schauspielhaus Düsseldorf und war bereits zweimal Betreuer bei der VorbilderAkademie von Bildung & Begabung. 2018 gewann er außerdem mit einer Gruppe seines Kölner Berufskollegs den ersten Preis beim Bundeswettbewerb Fremdsprachen in der Kategorie „TEAM BERUF“.

Ich bin in Wanne-Eickel geboren und zur Schule gegangen, habe die Realschule aber nach der sechsten Klasse verlassen, weil ich dort mit einigen Mitschülerinnen und Mitschülern nicht klargekommen bin.

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Jan-Lukas Wiebe (20) ist ehemaliger Teilnehmer der TalentAkademie, Preisträger des Bundeswettbewerbs Fremdsprachen und engagiert sich bei der VorbilderAkademie Ruhr als Workshop-Koordinator.
Der anschließende Wechsel auf die Gesamtschule war genau die richtige Entscheidung: Dort hatte ich sehr gute Lehrerinnen und Lehrer, die mich förderten, und meine „Base“ – eine Gruppe von Menschen, mit denen ich mich gut verstand und die meine Interessen teilten. Mein erstes Drehbuch habe ich in der sechsten Klasse geschrieben, später kleine Videos gedreht.

Einmal sollten wir in einem Informatikkurs eine PowerPoint-Präsentation zu unserem Traumberuf erstellen. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht so richtig, was ich machen wollte, hatte aber total Lust,Fernsehen, Filme, irgendetwas mit Bildern zu machen. Als Kind war ich fasziniert von den großen Samstagabend-Shows: „Wetten, dass …?“, „Die Versteckte Kamera“ – die Art von Sendungen, die es heute gar nicht mehr so richtig gibt.
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Meine Steckfigur hat unten eine Basis, die für Familie und meine Herkunft stehen soll. Danach fängt ein frei schwingender Teil an. Er ist nur an einer Stelle mit den anderen Elementen verbunden, gleichzeitig aber der größte Teil der Figur. Dieser „Entwicklungsast“ soll meine persönliche Entwicklung symbolisieren. Er hat mehrere Abzweigungen, die zum Beispiel für meine Schulwechsel stehen.

Mich hat vor allem der Blick hinter die Kulissen interessiert: Wie schafft man es beispielsweise, so viele Menschen mit der Kamera richtig einzufangen? Nach der zehnten Klasse hatte ich keine Lust mehr auf den Schulalltag. Es ist aber gar nicht so einfach, mit 16 Jahren einen Ausbildungsplatz in der Filmbranche zu bekommen – Stichwort Nachtarbeit und so etwas. Ich habe mich also nach Alternativen umgeschaut und das Berufskolleg gefunden: ein Jahr Praktikum, drei Tage in der Woche im Betrieb, zwei in der Schule, und danach noch ein Jahr Vollzeit-Schule. Das war genau die richtige Entscheidung.

In dem Betrieb, wo ich das Praktikum gemacht habe, mache ich jetzt meine Ausbildung. Ich mag meinen Beruf sehr, spiele aber mit dem Gedanken, nach dem Ende meiner Ausbildung noch etwas anderes zu machen. Vielleicht wird es in Richtung Medienpädagogik gehen. Mit Jugendlichen zu arbeiten, anderen Menschen zu helfen, ihre Potenziale zu entdecken, und gleichzeitig meiner Leidenschaft für bewegte Bilder treu zu bleiben – das finde ich eine coole Idee.

Hannah Boß

Hannah Boß aus Greven im Münsterland ist frischgebackene Abiturientin. Und nicht nur das: Sie ist mehrfache Preisträgerin von Schülerwettbewerben – darunter mit der Mathematik-Olympiade und dem Bundeswettbewerb Mathematik von Bildung & Begabung die Traditionsreichsten ihrer Art in Deutschland. Im April 2019 nahm sie als Mitglied des deutschen Teams an der European Girls’ Mathematical Olympiad in der Ukraine teil, wo sie eine Bronzemedaille errang. Seit Oktober studiert Hannah in Münster – natürlich Mathematik.

Die Lehrerinnen und Lehrer meiner Schule haben uns Schülern stets erzählt, dass wir nie wieder so viele Möglichkeiten haben würden wie jetzt. Das setzt mich bis heute ein bisschen unter Druck, weil ich natürlich auch künftig die richtige Entscheidung für meinen weiteren Lebensweg treffen will.

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Hannah Boß (18) nahm mehrfach erfolgreich an der Mathematik-Olympiade und dem Bundeswettbewerb Mathematik teil.
Meine Mutter sagt immer, man müsse sich spezialisieren, um richtig gut zu sein. Aber es gibt einfach so viele Dinge, die ich cool finde und gerne machen möchte. Ich habe also die Qual der Wahl: Welcher der vielen möglichen Wege ist für mich der richtige? Ich habe zum Beispiel lange überlegt, ob ich etwas Naturwissenschaftliches studieren soll. In der Schule nahm ich an naturwissenschaftlichen Wettbewerben teil und in der elften Klasse wertete ich bei einem Praktikum in einem Chemielabor statistische Daten aus. Das war eine spannende Erfahrung. Manche Menschen haben mir außerdem dazu geraten, nach dem Abitur eine Auszeit zu nehmen und zu reisen. Ich bin aber zu dem Entschluss gekommen, nicht noch ein Jahr mit dem Studium warten zu wollen. Ich studiere jetzt Mathematik. Denn Zahlen waren schon immer meine große Leidenschaft.

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Die blauen Teile in meiner Steckfigur stehen für mein Leben. Die orangen Stecker symbolisieren die Alternativen, über die ich nachgedacht, mich aber letzten Endes dagegen entschieden habe. In der unteren Hälfte der Figur dominieren noch die blauen Elemente, denn als Kind muss man ja noch nicht so viele Entscheidungen treffen. Aber nach und nach kommen orangene Teile dazu, bis es am Ende ganz viele sind. Das ist da, wo ich gerade stehe.

Von meinen Eltern weiß ich, dass ich schon im Kindergarten gerne gerechnet habe. Später, in der Grundschule, war ich in einer Knobel-AG und in der vierten Klasse habe ich zum ersten Mal an der Mathe-Olympiade teilgenommen. Gerade in der Unterstufe machen noch viele Jugendliche bei solchen Wettbewerben mit. Irgendwann verlieren aber die meisten das Interesse daran. Ich bin jedoch dabeigeblieben. Der Grund dafür war, neben den vielen netten Begegnungen mit anderen Mathe-Fans, der Spaß an der Herausforderung, an komplexen mathematischen Problemen. Manchmal arbeitet man wochenlang an einer Lösung – und wenn mansie dann gefunden hat, wartet schon die nächste Aufgabe. Das spornt mich an. Mein Ziel ist es nicht, in meinem Leben viel Geld zu verdienen. Ich möchte das machen, was mir Spaß macht. Zum Beispiel will ich später nicht in einem Großkonzern arbeiten und kommerzielle Forschung betreiben. Das entspricht nicht meiner Vorstellung von Wissenschaft. Aus meiner Sicht sollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen- und nicht gegeneinander arbeiten, um gemeinsam neue Erkenntnisse zu sammeln. Das ist mein Ideal.

Mohammad Reza Nikbin

Mohammad Reza Nikbin kam mit zehn Jahren aus dem Iran nach Deutschland – genauer gesagt, ins Unterallgäu.Nach dem Realschulabschluss besuchte er die Fachoberschule und machte Abitur. Statt, wie ursprünglich geplant, Maschinenbau zu studieren, absolvierte er, angeregt durch ein Klinikpraktikum, eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Heute studiert er Humanmedizin in Tübingen und ist – neben zahlreichen anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten – als Kursleiter bei der TalentAkademie aktiv.

Gebürtig bin ich aus dem Iran. Dort habe ich bis zu meinem zehnten Lebensjahr gelebt. Dann musste meine Mutter fliehen. Sie zog nach Deutschland und nahm mich dorthin mit. Ich weiß noch, wie wir mit dem Flugzeug in Frankfurt gelandet und dann mit dem Zug weiter nach Köln gefahren sind. Den Moment, als ich zum ersten Mal den Kölner Dom gesehen habe, werde ich nie vergessen.

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Mohammad Reza Nikbin (26) leitete 2019 den Projektkurs „Medizin“ bei der TalentAkademie in Miltenberg.
Bei meiner Einschulung in Deutschland musste ich einen Mathe-Test machen. Ich wusste damals noch nicht, dass man in Deutschland andere Multiplikations- und Divisions-Zeichen als im Iran benutzt und konnte deshalb auch die Aufgaben nicht lösen. Aus diesem Grund wurde ich in die dritte Klasse zurückgestuft, bis die Lehrer gemerkt haben, dass ich doch multiplizieren und dividieren konnte. Weil ich sprachlich noch nicht so weit war, kam ich nach der Grundschule aber zuerst auf die Hauptschule. Nach der fünften Klasse waren dann meine Deutschkenntnisse aber so gut, dass ich den Übertritt zur Realschule geschafft habe. Wenn man sich meine Steckfigur näher anschaut, sieht man, dass nach und nach mehr Abzweigungen dazukommen. Ich habe mich nämlich immer wieder neu orientiert.

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Jedes waagrechte Element in meiner Steckfigur steht für fünf Jahre meines Lebens. Innerhalb der Figur gibt es außerdem Stützen. Die aus den blauen Elementen geformten Stützen versinnbildlichen dabei meine Familie. In meiner Figur gibt es neben den blauen auch orangene Teile, die symbolisieren sollen, dass ich mir durch meine Bildung, mein soziales Engagement weitere Stützen aufgebaut habe.

Nach der mittleren Reife zum Beispiel wechselte ich erneut die Schule und holte in Memmingen das Abitur nach. Ursprünglich wollte ich einen technischen Beruf ergreifen. Ich war aber neben der Schule auch ehrenamtlich im Rettungsdienst aktiv. Das Wissen, Menschen in einer Notsituation helfen zu können, hat mich bestärkt, ein Praktikum in einem Krankenhaus zu machen und eine dreijährige Ausbildung zum Krankenpfleger zu beginnen.

Nach der Ausbildung arbeitete ich als Pfleger in der Tübinger Klinik auf der Intensivstation für Verbrennungsmedizin.Aber ich merkte: Mein Weg geht weiter, ich will mich weiterentwickeln – ich bin ja noch jung und habe verschiedene Ziele im Kopf, die ich erreichen möchte. Nach einem Jahr entschied ich mich daher, Humanmedizin zu studieren, um die Prozesse im menschlichen Körper noch besser verstehen zu können. Ein Studium bedeutet für mich außerdem, noch mehr Optionen zu haben, aus denen ich wählen kann. Die Spitze meiner Steckfigur ist durchsichtig – denn noch ist nicht klar, wie es weitergeht. Verläuft mein Lebensweg weiter Schritt für Schritt nach oben? Einen Absturz nach unten habe ich jedenfalls nicht vorgesehen. Das würde auch nicht meinem Naturell entsprechen. Dazu passt übrigens auch mein Nachname. „Nik“ ist persisch und bedeutet „das Gute, das Schöne“ und „bin“ bedeutet „sehen“. Ich bin also sozusagen schon meines Namens wegen ein Optimist.
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