Polyglottes Multitalent

BWFS-Sieger Aleksei Smirnov im Porträt

Aleksei Smirnov ist ein echtes Sprachgenie: Der 18-jährige Gymnasiast aus Lübbecke in Nordrhein-Westfalen gewann in diesem Jahr beim Bundeswettbewerb Fremdsprachen einen ersten Preis. Neben seiner Muttersprache Russisch spricht er auch fließend Deutsch, Englisch und Französisch. Sein Erfolgsrezept: Eine Mischung aus Fleiß und Talent.
Bundeswettbewerb Fremdsprachen

Bundeswettbewerb Fremdsprachen

Der Bundeswettbewerb ist einer der traditionsreichsten Schülerwettbewerbe in Deutschland und ermuntert mit mehreren Formaten sprachbegeisterte junge Leute zu Bestleistungen.

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Zwölf Sprachtalente gewinnen beim Bundeswettbewerb Fremdsprachen

Zwölf Sprachtalente gewinnen beim Bundeswettbewerb Fremdsprachen

So viele Sieger gab es noch nie: Beim Oberstufen-Finale des Bundeswettbewerbs Fremdsprachen in Wuppertal konnten zwölf Schülerinnen und Schüler einen ersten Platz erringen. In Gruppendiskussionen, Einzelgesprächen und Theaterpräsentationen überzeugten sie die Expertenjury von ihren Sprachenkenntnissen. Außerdem gab es je 13 zweite und dritte Plätze.

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Bernhard Sicking

Bernhard Sicking

  • Leiter
    Bundes­wettbewerb
    Fremd­sprachen
  • (02 28) 959 15-31

Matthias Bunk

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  • Projektleiter Kommunikation
  • (0228) 959 15-61

Als „Polyglossie“ bezeichnet die Sprachwissenschaft die Fähigkeit, viele verschiedene Sprachen zu sprechen. Polyglotte Personen hat es schon immer gegeben: Die antike Königin Kleopatra sprach angeblich neben Ägyptisch und Griechisch auch Latein und Aramäisch. Der Schauspieler Peter Ustinov parlierte in seinen Filmen mal auf Englisch, mal auf Französisch oder Deutsch – und beherrschte daneben auch noch Spanisch, Italienisch und Russisch. Und von dem deutschen Diplomaten und Dolmetscher Emil Krebs erzählt man sich, er habe Kenntnisse in sage und schreibe 68 verschiedenen Sprachen gehabt.

Ganz so weit ist Aleksei Smirnov noch nicht. Aber der 18-Jährige aus dem westfälischen Lübbecke ist schon jetzt ein wahres Sprachwunder: Bei seiner ersten Teilnahme beim Bundeswettbewerb Fremdsprachen in der Kategorie „SOLO Plus“ gewann er gleich einen ersten Preis. In Runde eins überzeugte er die Jury mit einem Filmbeitrag über das tragische Leben der Tänzerin, Choreografin und Kosmopolitin Isadora Duncan. „Sie war eine Person, die sehr viel gearbeitet hat und international in vielen Ländern tätig war – daran kann man sich ein Beispiel nehmen“, erklärt Aleksei seine ungewöhnliche Wahl.

Auch die zweite Runde des Wettbewerbs, in der mehrere schriftliche Aufgaben auf Französisch und Russisch in den Bereichen Ausdrucksfähigkeit, Grammatik und Vokabelwissen warteten, überstand Aleksei mühelos. Im Finale in Wuppertal zeigte er dann in Einzel- und Gruppengesprächen auf Französisch, Russisch und Englisch sein ganzes sprachliches Können und erledigte auch die Sonderaufgabe – ein mehrsprachiges Theaterstück zusammen mit einer Gruppe anderer Final-Teilnehmern – mit Bravour. Die Belohnung: Die Aufnahme in die Studienstiftung des deutschen Volkes und ein Geldpreis.

Beim Finale des Bundeswettbewerbs Fremsprachen siegte Aleksei Smirnov nicht nur in der Einzelwertung, sondern gewann mit seinem Team auch einen Sonderpreis. Foto: Nina Senger-Mertens/Bildung & Begabung


Von Russland nach Ostwestfalen

Das alles wäre schon genug Grund zum Staunen. In Alekseis Fall kommt aber noch hinzu, dass er selbst gar nicht aus Deutschland stammt, sondern in Russland geboren wurde. Erst 2014, mit 13 Jahren, kam er zusammen mit seiner Mutter aus der Stadt Balaschicha in der Nähe von Moskau nach Ostwestfalen. Die ersten Monate waren nicht einfach, aber dank seiner sprachlichen Begabung kam Aleksei schnell in der neuen Heimat zurecht. „Mit großer Ausdauer und größtem Einsatz hat er alle anfänglichen Hürden überwunden und in der Vergangenheit alle Möglichkeiten genutzt, die wir ihm als Schule zur Entfaltung seiner Möglichkeiten bieten konnten“, sagt Eberhard Hagemeier, der Direktor von Alekseis Gymnasium in Lübbecke, heute über seinen Musterschüler.

Der angehende Abiturient selbst bleibt ganz bescheiden: „Ich hatte auch gute Startbedingungen. In Russland hatte ich an einer Fremdsprachenschule parallel zum normalen Unterricht schon Englisch gelernt.“ Zweimal pro Woche büffelte er dort seit seinem sechsten Lebensjahr die Sprache Shakespeares, lernte ganze Texte auswendig, übersetzte Zeitungsartikel und übte die richtige Aussprache fremder Wörter. In Deutschland habe ihm dann der Umstand geholfen, dass er in eine bilinguale Klasse kam, in der mehrere Fächer auf Englisch unterrichtet wurden, so das Sprachtalent.

„Französisch wollte ich schon seit langem lernen“

Alekseis Leidenschaft gilt aber einer anderen Sprache: „Französisch war die Fremdsprache, die ich schon seit langem lernen wollte. Einfach weil sie so schön klingt.“ Auch sei Französisch in Russland traditionell diejenige Sprache, die man in der Schule als erstes lerne. „Ich hatte viele Freunde in Russland, die Französisch gelernt haben. Das hat mich etwas neidisch gemacht.“ Insofern ist es nur konsequent, dass Aleksei auch seinen Filmbeitrag in der ersten Wettbewerbsrunde auf Französisch drehte – obwohl er sich diese Sprache als letztes angeeignet hat. „Ich glaube, ich habe nach einer Herausforderung gesucht.“

Herausfordernd gestaltet sich für den 18-Jährigen auch die Wahl der zukünftigen Studienrichtung. Vorstellen kann er sich vieles – zum Beispiel Jura, Pharmazie oder Wirtschaft. Auch ein naturwissenschaftliches Studium kommt für Aleksei in Frage, denn in der Schule interessieren ihn neben dem Sprachenlernen vor allem Mathe und Physik: „Die Fremdsprachen sind mehr zur Abwechslung da.“ Eine erstaunliche Vielseitigkeit, wie auch Alekseis Lehrerin Sabine Sewing meint: „Besonders beeindruckt mich, dass Aleksei eigentlich seinen persönlichen Interessenschwerpunkt seit langem im naturwissenschaftlichen Bereich sieht. Die Fremdsprachen hat er sozusagen nur ‚nebenbei' gelernt, nicht eigentlich mit dem Ziel, daraus beruflich etwas zu machen.“

Ein Punkt ist dem Sprachtalent dann aber doch wichtig: Der Wunschstudiengang sollte so interdisziplinär wie möglich sein und ihn auch in mehrere Länder im Ausland führen, denn „man muss reisen, um kulturelle Kompetenzen zu erlernen und die Fremdsprachenkenntnisse zu vertiefen.“ Ein wahrer Polyglott ist eben immer auch Weltbürger.
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